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Musikkapelle Illerberg-Thal setzt beim Jubiläumskonzert zu neuen Höhenflügen an


Von Ursula Katharina Balken


2014 04 14 NUZ
Die Musikkapelle Illerberg-Thal unter Leitung von Michael Werner machte sich und den Zuhörern mit einem gelungenen Konzert ein besonderes Jubiläumsgeschenk. Die Kapelle feiert ihr 160-jähriges Bestehen.


Alles an diesem Jubiläumskonzert war außergewöhnlich. Ein Programm wie aus einem Guss, eine Musikkapelle, die von der ersten bis zur letzten Note toppräsent war, die eine Spielfreude entwickelte, die sich auf die Zuhörer in der Mehrzweckhalle übertrug, und Michael Werner am Pult, der sich zum Schluss bei seinen Musikern für eine „großartige Leistung“ bedankte. Er hatte allen Grund dazu. Jeder Einsatz saß punktgenau, je nach Interpretation entfalteten die Musiker üppiges Klangvolumen, um Takte später ein hauchfeines Piano zu blasen.

Die Musikkapelle Illerberg-Thal gab sich noch nie mit Mittelmäßigkeit zufrieden. Auch Michael Werner legt die Messlatte hoch. Mit „Seagate Overture“ von James Swearingen wird das gut besuchte Konzert eröffnet. Eine Komposition, die ihre amerikanische Provenienz nicht verleugnen kann. Rhythmik und Melodik verraten den Einfluss von Brass-Bands. Der markante Rhythmus, betont durch Synkopen und Fortschläge, sind ein dynamischer Start.

Das Medley „The Wizard Of Oz“ in einem Arrangement von Barnes setzt bereits den ersten Höhepunkt. Nicht nur weil der Ohrwurm „Over The Rainbow“ vielfältig variiert von der Rampe kommt, sondern Trompeten, Posaunen, Hörner sich zu einem geschmeidigen Klangbild mit Esprit vereinen. Dafür sorgen die satte Tiefe der Tuba und die kesse Flöte.

„Ross Roy“ wird ein Prachtbau in Australien genannt, der den Komponisten Jacob de Haan offensichtlich so beeindruckt hat, dass er die Monumentalität des Hauses in Noten festhielt. Martialische Passagen symbolisieren die Wehrhaftigkeit dieser Trutzburg. Die Komposition gleicht einem dynamischen Tongemälde, das mit weit ausladenden Akkorden zu Ende geht.

Im zweiten Teil erleben die Zuhörer akustisch die Welt des kleinen Simba, der einmal „König der Löwen“ (arrangiert von Calvin Custer) werden wird. Sie ist voller Abenteuer, das wird durch Modulationen erlebbar. Wenn man so will, könnte man den Soundtrack auch als Programmmusik bezeichnen. Dann geht es mit dem Marsch „Neue Welt“ von Alexander Pfluger nach Neuseeland auf eine spannende Entdeckungsreise.

Die Polka „Böhmischer Sommer“ von Mück/Pfluger ist ein heiterer Schnörkel, bevor die Kapelle zum Schlusspunkt ansetzt. „Thriller“ ist ein Song von Michael Jackson überschrieben, der einem Album entnommen ist, mit dem sich der Sänger Anfang der 1980er-Jahre in die Riege der erfolgreichsten Popsänger katapultierte. Da ziehen Dirigent Werner und das Orchester sprichwörtlich alle Register. Es ist eine Mischung aus Rock, Pop und auch ein bisschen Disco. Das ist der Sound, den die Jackson-Fans lieben. „Last Call“ nennt sich eine Komposition von Otto M. Schwarz, ein Stück für Blasmusik konzipiert, das zum poppigen Finale wird.

Doch ohne Zugaben geht nichts. Applaus und immer wieder Zwischenbeifall für „Extras“ einzelner Register sind Dank für ein Konzert, das mit musikalischer Akribie und großem Engagement zum Klingen gebracht wurde.

 

NUZ 14. April 2014 - Text/Foto: Ursula Balken