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Illerberg


Beethoven, Tschaikowsky und ein Halleluja

Musikkapelle Illerberg-Thal und die Jugendkapelle Wita präsentieren ein anspruchsvolles Konzert. Auch mit Abflussrohren lässt sich musizieren.
Von Ursula Katharina Balken (Copyright- Illertisser Zeitung)


Blasorchestern haftet auch heute noch oft das Image an, gut für Polka, Pop und populäre Schlager zu sein. In Illerberg pflegt die Musikkapelle indes schon seit Jahrzehnten einen anderen Stil, pflegt die Klassik in entsprechenden Bearbeitungen und setzt auf sinfonische Blasmusik. Diese Tradition setzte die Musikkapelle Illerberg-Thal mit Michael Werner am Pult bei ihrem Jahreskonzert in der Mehrzweckhalle fort. Aber auch die Jugend sucht das anspruchsvolle Repertoire, allerdings ein wenig anders „gestylt“. Das Jugendorchester Wita, bestehend aus Musikern aus Wullenstetten, Illerberg, Thal und Aufheim wusste Jung und Alt im Saal zu begeistern, vor allem durch eine Spielfreude, womit sich das stattliche Orchester offensichtlich immer wieder selbst motiviert. Erheblichen Anteil daran hat Dirigent Rani Rezek, der nicht nur mit klarer Linie dirigiert, sondern auch gefällig arrangiert.
Das Jugendorchester Wita nannte seinen Auftritt „Stilbruch“. Hardrock mischte sich mit „Unsquare Dance“. Die berühmte „Nussknacker-Suite“ von Tschaikowsky war auf „The Three-Minutes-Nutcracker“ komprimiert, wobei die wesentlichen Elemente aller Sätze dieser Suite trotz Schnelldurchlauf zum Klingen kamen. Zum Titel des ersten Programmteils passte auch eine hübsche Version von Leonard Cohens „Hallelujah“ und die Kurzfassung von Beethovens 5. Sinfonie. Und schließlich gab es noch die witzige Parodie „Drumbone“ mit Installationsrohren. Selbst mit denen kann man Musik machen.

Dirigent Michael Werner markierte im zweiten Programmteil mit „Tirol 1809“ von Sepp Tanzer, eine Originalkomposition für Blasorchester, den Anspruch, den das Orchester an sich stellt. Die Komposition ist dem Genre Programmmusik zuzuordnen. Dramatisches Schlachtengetümmel, Choräle, verhaltene Freude über den Sieg am Berg Isel, die sich dann zu empathischen Klängen entwickelt, fesselte die Zuhörer. Die Interpretation durch die Musikkapelle wurde durch die Sauberkeit der Intonation, homogenes Klanggefüge des Orchesters und die sich in den Crescendi und weit ausladenden Retardandi steigernde Dramatik und Siegesfreude zu einem klassischen Beispiel sinfonischer Blasmusik. Gegensätzliches prägte auch das Programm der Musikkapelle. Nach dem aufwühlenden Auftakt dann Romantik pur in „The Seventh Night Of July“, eine japanische Liebesgeschichte von Itaru Sakais, der sich offenbar in der Orchestrierung Anleihen aus amerikanischer Filmmusik geholt hatte. Man kann darüber streiten, ob sich die Musik zu Tschaikowskys „Schwanensee“, eine der bekanntesten Ballettmusiken, für Blasorchester eignet. Aber das Arrangement von Ofburg war so angelegt, dass sie Klangfülle zuließ, die Dirigent Werner fein nivellierte. „Mit vollen Segeln“, so der Titel eines Konzertmarsches von Klaus Strobl, wurde übergeleitet zu „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“. Interpretin war Daniela Renz mit schöner, wandelbarer Stimme. Das bisweilen überbordende Forte des Orchesters konnte die Sängerin dank ihrer Stimmkraft abfangen. „Spain“ von Chick Corea bildete den Schlusspunkt. Zum großen Finale vereinigte sich die Musikkapelle mit dem Jugendorchester Wita. Da hieß es dann volles Rohr, was bei den Besuchern Enthusiasmus pur auslöste. Entsprechend ausgiebig fiel der Beifall aus.