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Mit launigem Flair

Musikkapelle Illerberg/ Thal spannt einen weiten Bogen

Von unserer Mitarbeiterin Ursula Katharina Balken

Vöhringen/Illerberg

Es gehört zur Tradition der Musikkapelle Illerberg-Thal, sich der konzertanten Blasmusik verpflichtet zu fühlen. Das manifestierte sich auch beim jüngsten Konzert in der Mehrzweckhalle. Der Bogen war weit gespannt, von Johann Sebastian Bach bis Andrew Lloyd Webber. Also ein buntes Puzzle, mit dem sich das Wort von Altmeister Goethe wieder einmal bewahrheitete: Wer Vieles bringt, wird manchem etwas bringen.

Zunächst gab es eine erfreuliche Premiere. Kathrin Brechtel stand als junge Dirigenten - noch dazu aus den eigenen Reihen herangewachsen - am Pult und präsentierte das Jugendorchester. Die 15 Musikanten gaben mit "Welcome to the World" von Jacob de Haan, "Sun Calypso" von Luigi di Ghisallo und "Portugal" von Jacob de Haan ein tonrein geblasenes Debüt. Einer der jüngsten war Martin Pressl am Schlagzeug, er wurde schier vom Percussion-Instrumentarium überragt.

Nach diesem mit viel Beifall honorierten Einstand, wurde "Conductors Fanfare" von Scherbacher ein festliches Entrée für die Musikkapelle Illerberg-Thal. Als superb erwies sich die "Fantasia super l'homme armé" von Kees Schoonenbeek, ein nahezu sinfonisch angelegte Werk. Dirigent Joachim Plocica stufte Piano und Forte sorgfältig ab und hatte das Orchester fest im Griff. Orientalisches Flair machte sich breit als das bekannte "Auf einem persischen Markt" von Albert W. Ketèlbey erklang. Allerdings hatte sich Plocica nicht nur die Rosinen des Stücks herausgepickt, den kompakten Mittelteil. Er präsentierte die Komposition an ihre Urform erinnernd - als Suite. "Virginia" von Jacob de Haan erwies sich als spannend-dynamisches Klanggemälde, angereichert mit synkopischen Elementen, Programmmusik reinsten Wassers. Rieks van der Velde hatte Passagen aus der "Feuerwerksmusik" von Georg Friedrich Händel zu "Händels Spektacular" bearbeitet, eine dankbare Aufgabe für Blasorchester, strahlend und festlich, luftig und leicht umrankt von modernen Rhythmen, denen Plocica an keiner Stelle Dominanz zugestand.

Der zweite Teil - mit Nebelschwaden, elektronisch gesteuerten Lichtreflexen und einem furiosen Donnerschlag auf Show getrimmt - war nicht weniger anspruchsvoll. Eine Auswahl bekannter Hits aus James-Bond-Filmen, in einem Arrangement von Johan de Mey, Melodien aus "Jesus Christ Superstar" nach einer Bearbeitung von Webber/Hautvast mit einem gefühlsbetonten "I don't know how to love him" und Ausschnitte aus dem Musical "Tanz der Vampire", bearbeitet von Wössner, zeigten auf, dass die zeitaufwändige Probenarbeit Früchte trägt. Ein Höhepunkt war die wegen ihrer forcierten Tempi und dankbaren Aufgaben für das Holzregister "Toccata in D Minor" von Farr/Lamb, der die weltberühmte "Toccata und Fuge in D-Moll" von Bach zugrunde liegt, eine Komposition, die auch dem ersten Teil gut angestanden hätte. Für soviel musikalisches Engagement und für eine launige Moderation von Gregor Kuhn gab es zum Schluss verdienten Beifall, für den sich die Musiker mit Zugaben bedankten.

Die Musikkapelle Illerberg/ Thal mit ihrem Dirigenten Joachim Plocica bei ihrem Konzert in der Illerberger Mehrzweckhalle. Bild Ursula K. Balken

© 2003 Augsburger Allgemeine