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Klingender Beitrag für vereintes Europa
Von unserer Mitarbeiterin Ursula Katharina Balken

Vöhringen/Illerberg

Die Musikkapelle Illerberg-Thal gab sich zeit- und stilbewusst: "Willkommen Europa" lautete das Motto des Frühjahrskonzertes in der ausverkauften Mehrzweckhalle. Und wie könnte man europäische Einheit besser deutlich machen als mit Musik.

Die "Intrade" - gedacht zum Einspielen - leitete über zur "European Overture" von Bertrand Moren. So vielgestaltig Europa sich darstellt, so schillernd wirkt diese sinfonische Ouvertüre mit polyphonen Passagen, reizvoll durch die in schneller Folge wechselnden Tempi und die bisweilen burlesken Züge, dynamisch durch das leuchtende Crescendo zum Schluss. Eine ungemein schwierige Aufgabe, mit der Dirigent Joachim Plocica und die Musikkapelle an eine große Tradition anknüpfen, konzertante und anspruchsvolle Blasmusik den Zuhörern näher zu bringen.

Nach diesem fulminanten Einstieg begab sich die Kapelle zu den Wurzeln abendländischer Kultur - nach Griechenland. "Return to Ithaka" war die Suite überschrieben, die im Stile reiner Programmmusik die Irrfahrten des Odysseus nachzeichnet. Marco Salger (Name vom Webmaster korrigiert) , Klarinette, gefiel mit einer tonrein geblasenen Kadenz. Die Musiker wechselten vom hauchzarten Piano zu rhythmischen Passagen (Alexis Sorbas ließ grüßen), die schließlich in einem turbulenten Finale enden, wenn Odysseus und Sohn Telemach die ungebetenen Gäste in seinem Hause ins Jenseits befördert.

Avignon/Frankreich war die nächste Station, wo man auf der berühmten Brücke bekanntlich "tout-en-rond" tanzt. Franco Cesarini hatte das Volkslied variationsreich bearbeitet, mit anspruchsvollen Aufgaben für das Holzregister. "Simple Gifts" führte nach Irland. Das Arrangement von Roland Smeets besticht durch den stets gleichbleibenden, hämmernden Rhythmus einerseits und durch schmeichelnde Melancholie andererseits. Feurig wirds dann in "El Relicario", einem Paso doble von José Padilla, arrangiert von Robert Longfield. Typisch der markante Rhythmus gepaart mit sentimentalen Sequenzen, vom Orchester makellos wiedergegeben. Mit dem Motiv "Freude, schöner Götterfunke" aus Beethovens 9. Sinfonie, umgetauft in "Song of Freedom" von Jan de Haan, entfaltete die Musikkapelle üppiges Volumen, ohne jedoch zu überziehen. Der feierliche Hymnus war wirkungsvoller Schlusspunkt des ersten Teils.

Nach der Pause erfreuten sich die Zuhörer an bekannten Melodien wie "The Phantom of the Opera" von Andrew Lloyd Webber, in einem Arrangement von Warren Barker, an einem "Concerto" von Reverberi/Pavesi, das seine barocke Herkunft nicht verleugnen kann, an den Songs der Gruppe Abba, an John Miles "Music" und den aufblitzenden "Europasterne" von Franz Watz.

Ein Programm ganz nach Geschmack des Publikums, das für den Beifall mit drei Zugaben belohnt wurde. Gregor Kuhn, an Tuba und Mikrofon, führte witzig und kenntnisreich durch den Konzertabend, der deutlich machte, wie gut der neue Dirigent - er leitet die Kapelle seit rund drei Jahren - mit dem Orchester zusammengewachsen ist. Die Musiker folgten dem exakten Dirigat und hatten beim Spiel offenbar genau so viel Freude wie Joachim Plocica, der das Orchester stets im Griff hatte.

Die Illerberger Musiker durften mit sich zufrieden sein.

 

Das Frühjahrskonzert der Musikkapelle Illerberg/ Thal mit Joachim Plocica am Pult wurde mit viel Beifalll aufgenommen. Auffallend: Viel jugendlicher Nachwuchs im Orchester. Bild: ub

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Quelle: NUZ