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Bunte Klangfarben im trüben November

Konzert der Musikkapelle Illerberg/ Thal setzt glänzenden Schlusspunkt unter Jubiläumsjahr

 

Von unserer Mitarbeiterin Ursula Katharina Balken

Vöhringen/ Illerberg

Für das Konzert in der Illerberger St. Martinskirche gab es gleich mehrfachen Anlass: Zum Einen setzte die Musikkapelle Illerberg/ Thal damit einen Schlusspunkt hinter ihr Jubiläumsjahr - heuer wurde das 150. Gründungsfest gefeiert, zum Anderen erhielt das Pfarrpatrozinium durch die musikalischen Darbietungen besonderen Glanz. Außerdem wollte das Orchester seine Verbundenheit mit der kirchlichen Gemeinde zum Ausdruck bringen, wie Vorsitzender Gregor Kuhn eingangs erklärte.

Die Kapelle kann stets auf ein volles Haus hoffen, weil sie immer Garant für ein ansprechendes Programm ist, das der Tradition wie der Moderne gleichermaßen gerecht wird. Nach den zwei Krönungsintraden von Jiri Ignac Linek setzte Joachim Plocica wohlüberlegt fünf Sätze aus Händels ,,Wassermusik", die sich besonders gut für Blasorchester umsetzen lassen und einen hohen Anspruch an das eigene Können erkennen lassen. Klarer, wuchtiger Klang durchströmte trotz Überakustik in der Martinskirche den Raum und bescherte vor allem den auf der Empore und weiter hinten im Kirchenschiff sitzenden Besuchern ein wunderschönes Klangerlebnis. Besonders hervorzuheben sind das fast andachtvolle ,,Air" und das dynamische ,, Allegro" mit seinem breit ausladenden Crescendo am Schluss. Dann ein sprung ins Heute: Georg Stichs ,,Classic Tune" wird geprägt durch das lyrische Entrée, wobei das Thema variantenreich umspielt wird. Und kurz vor dem Schlussakkord gibt es eine Dramatik erzeugende Generalpause.

Frescobaldi, einer der bedeutendsten Komponisten aus dem Frühbarock für Tasteninstrumente, schrieb eine ,,Tokata", ein Farbtupfer im Programm. So farbig wie er es für die Orgel registriert hatte, gelang auch die Bearbeitung für Blasorchester. Leicht und luftig mit einem fast fröhlich erscheinenden Mittelteil und reizvollen Klarinettensoli war die Komposition ebenso ein Hörgenuss wie das liedhafte ,,Arioso" von Bach, dessen melodiöse Schönheit auch im Arrangement für großes Blasorchester erhalten blieb.

Wer an Pachelbel denkt, dam fällt meist der berühmte ,,Canon" ein, wohl einer der meist gespielten seiner Art. Er leitete über zu dem immer wieder gern gehörten ,,Morning has broken" und zu ,, Choral and Rock out" von Ted Huggens, dem man nachsagt, sich gerne der polyphonen Strukturen der Meister des Barocks zu bedienen. ,, Choral and rock out" gehört heute fast schon zum Standartrepertoire einer Blaskapelle, die etwas auf sich hält. Rhythmisch pointiert nach einem kühl zurückhaltenden Beginn brennt die Musikkapelle ein wahres Feuerwerk ihrer Spielfreude ab, gestützt duch den sichtlich motivierten Plocica am Pult. In allen Registern wurde die gute Vorbereitung spürbar. Das Konzert entließ die Zuhörer mit dem Gefühl, durch die Musik an einem trüben Novembertag reich beschenkt worden zu sein.

Die Musikkapelle Illerberg/ Thal unter der Leitung von Joachim Plocica setzte mit ihrem Konzert in der Martinskirche einen Schlusspunkt hinter ihr Jubiläumsjahr, das sich aus mehreren Einzelveranstaltungen zusammensetzte.

© Augsburger Allgemeine / NUZ