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Mit jungen Akzenten

Beim Frühjahrskonzert der Blaskapelle Illerberg - Thal

Von unserer Mitarbeiterin Ursula Katharina Balken


Vöhringen/ Illerberg

Zeigenössische Blasmusik rückte Dirigent Joachim Plocica ins Zentrum der Frühjahrskonzerts der Musikkapelle Illerberg - Thal, das in der hübsch dekorierten Mehrzweckhalle zahlreiche Besucher begeisterte. Dabei entwickelte das Orchester eine Dynamik, die ihm schon in früheren Jahren attestiert wurde. Sich vom üblichen Genre abzusetzen und Neues auzulegen war auch offenkundig die Intention von Plocica.

Doch zunächst einmal sorgte die Jugend für einen guten Ton. Die Nachwuchskapelle wird von zarter Hand geleitet. Recht selbstbewusst gab sich Kathrin Brechtel und hatte auch allen Grund dazu. Saubere Intonierung und feine Abstufungen zwischen Piano und Forte - für jugendliche Musikanten gar nicht so selbstverständlich - bestimmten die drei Kompositionen, die da hießen "Indian River", "Simply Rock" und "Irish Dream".Wie ein "alter" Profi stand die junge Dirigentin am Pult und animierte das Publikum zum Mitklatschen. Und das Beste: Alle jungen Musiker sind Eigengewächse der Kapelle. Einen wirkungsvolleren Akzent hätte die Musikkapelle Illerberg - Thal zu Beginn kaum setzen können. "Signature" von Jan van der Roost war für das nachfolgende Programm maßgeschneidert, führte es doch die Zuhörer in die moderne Blasmusik ein. Scheinbar dissonante Klangfolgen sind prägend. Es ist Musik, die zum Zuhören zwingt. Ganz deutlich wurde das bei Kurt Gäbles fast schon synfonischem Werk "Symphonie Of Hope". Machtvolles Forte, dazwischen kurze, gut herausgearbeitete Crescendi und ungewöhnliche Farben und Formen wie bei einem abstrakten Bild kennzeichnen die Komposition. Feinnervig dagegen ein Medley aus dem Musical "Elisabeth" von Kunze/ Levay mit schnell wechselnden Tempi und reicher Melodienvielfalt.

Volkstümliche Elemente

Mit den "Slawischen Tänzen" von Dvorak begründete der Komponist seinen Ruhm. Die ursprünglich fürKonzert 2005 Klavier konzipierten Kompositionen wurden schnell für Orchester umgearbeitet. Die Musikkapelle wählte den seltener gespielten Tanz Nr. 4, der klassische Formgebung mit volkstümlichen Elementen mischt. Nicht ganz neu ist die "New Baroque Suite" von Ted Huggens. Der schielt bekanntlich nach den großen Meistern des Barock. Er rhythmisiert die Musik - wie Jaques Loussier - mit modernem Percussion-Instrumentarium. Huggens verbindet polyphone Linien, lässt sie in einem von Plocica äußerst breit angelegtem "Largo" einmünden, flechtet Swingelemente ein und beherrscht die Kunst der Fuge, in der die Melodienführung von einem Register ins andere übergleitet. Zum Schluss des ersten Teils erklingt der Krönungsmarsch von Peter Tschaikowsky, der in seinem bombastischen Aufbau der Ouvertüre "Das Jahr 1812" ähnelt. Im zweiten Teil reihen sich "Fanfare for the Common Man" von Copland, "Bohemian Rhapsody" nach Freddy Mercury, " Start Up" von Steve McMillan, " In the Mood" (Loe Garland) und Ausschnitte aus "42nd Street" von Warren/Dubin nahtlos aneinander - der etwas leichtere, aber nicht weniger anspruchsvolle Teil des Konzertes. Gregor Kuhn führte launig und informativ durch das Programm, das für den einen oder anderen Besucher leicht überfrachtet schien. Aber Dirigent Plocica entschied sich konsequent für den neuen Stil und steckte damit seine Intention für die Zukunft ab. Wer neue Freunde gewinnen will, muss wagen, neue Wege zu gehen.



© Augsburger Allgemeine/ NUZ