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Konzertabend der etwas anderen Art

Musikkapelle Illerberg/Thal spielte abwechslungsreiches Programm

Von unserer Mitarbeiterin Ursula Katharina Balken
Vöhringen-Illerberg/Thal

Draußen war es noch winterlich kalt, aber drinnen herrschte die Frische des Frühlings. Die jugendlichen Musiker aus Illerberg und Wullenstetten präsentierten sich beim Frühjahrskonzert in der Mehrzweckhalle erstmals als neue Formation. Seit Januar bilden sie eine Gemeinschaft, aus der Dirigentin Kathrin Brechtel bereits einen beachtlichen Klangkörper geformt hat. Aber auch die Musikkapelle Illerberg/Thal mit Joachim Plocica am Pult überraschte mit einem anspruchsvollen Programm, das mit Klassik und Big-Band-Sound das Publikum begeisterte.

"Simply Rock" von Rob Ares und "Irish Dream" von Kurt Gäble wählte Kathrin Brechtel, um ihre jugendliche Schar vorzustellen. Und dies gelang vortrefflich. Keine Höhenflüge, sondern solide und handwerklich gut gemacht, sauber und intonisationssicher gespielt, präsentierte sie das neue Jugendorchester. Viel Beifall für die engagierten jungen Musiker, die - wie sich zeigt - auf dem richtigen Weg sind.

Reizvolle Kontraste
Mit der "Festmusik der Stadt Wien" von Richard Strauß eröffnete die Musikkapelle Illerberg-Thal ihren Programmteil. Grelle Fanfarenstöße und opulente Orchesterfarben, die so charakteristisch für Strauß sind, durchdringen den Raum und sprengen ihn fast. Ein festlicher Einstieg. Rossinis Ouvertüre zur "Die diebische Elster" - schon längst ein Ohrwurm geworden - kommt mit kolossaler Kraft von der Bühne. Dramatik und Lyrik wechseln einander ab und machen den Reiz dieser Ouvertüre aus. Plocica schöpft die musikalischen Finessen Rossinis voll aus, sehr zur Freude der Besucher, die dem im Fortefortissimo endenden Finale spontan Beifall spenden. Leicht und locker mit den aus der arabischen Melodik entlehnten Elementen wird der "Persische Marsch" von Johann Strauß zu einem Hörerlebnis, ebenso wie "MacArthur Park" von Jimmy Webb. Dabei sind die Kontraste reizvoll. Moderne Klangwelten öffnen sich, dissonante Passagen wechseln mit choralähnlichen Sequenzen, die wiederum in einem synkopisch angelegten, rhythmisch äußerst schwierigen Mittelteil einmünden. Am Schluss erstrahlt das Orchester mit einem klangvollen Rallentando.
Die Suite on Celtic Folk Songs (March, Air, Reel) basiert auf traditioneller irischer Musik und erinnert stellenweise an Lord of the Dance und ist zum Teil Emotion pur. Mit "Sea Songs" von Ralph Vaughan Williams wird der erste Teil beendet.


Big Band mit Jazz und Swing
Dann Szenenwechsel. Als der Vorhang sich wieder öffnet, sitzt eine Big Band klassischen Stils vor dem Publikum. Die Damen tragen Krawatten, die Herren Fliege. Joachim Plocica setzt auf Entertainment. Den Zuhörern gefällt?s. Locker und lässig leitet er wie ein Bandleader alter Schule die Musiker. Er lässt den Taktstock liegen und greift stattdessen zu Flügelhorn und Trompete und beweist, dass er auch ein vorzüglicher Solist ist. Jazz-Improvisation ist angesagt (Amazing Grace). Manfred Schneider komponierte "Jazz Inspiration", die satte Basis liefert ein E-Bass. Oldies von Benny Goodman als Medley aufgearbeitet sind das Richtige für Freunde des Swing. "Caravan" von Jazzlegenden Duke Ellington/Irving Mills/Juan Tizol bearbeitet sowie "Mountain Rock" von Günter Noris runden das Programm ab. Die Zugaben sind etwas fürs Herz. Joachim Plocica bläst "I did it my way", der große Hit von "Frankieboy" Sinatra. Und zum Schluss setzt er mit dem alten englischen Volkslied "Auld Lang Syne" noch eins drauf. Reicher Beifall für einen Konzertabend der etwas anderen Art - mit Lichteffekten und einem Programm, durch das Gregor Kuhn führte, und das gleichsam anspruchsvoll wie auch unterhaltsam war.

 © Augsburger Allgemeine / NUZ