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Blasmusik lässt Frühling erblühen

Projektorchester aus Tiefenbach und Illerberg/Thal begeistert Zuhörer bei der Premiere

Von Ursula Katharina Balken

Vöhringen/Illerberg/Tiefenbach

Wenn sich das Wetter draußen auch recht winterlich zeigte, so erblühte in der Mehrzweckhalle der Frühling umso intensiver. Ein Verdienst der Musikkapellen aus Illerberg/Thal und Tiefenbach, die sich erstmals gemeinsam in ungewohnter Formation mit einem abwechslungsreichen Programm vorstellten. Orchesterprojekt nannten sie das Experiment. Zweifellos ein gelungenes, was eine Ermutigung für alle Blasorchester sein dürfte, die an Nachwuchsmangel leiden.

Es war ein Wagnis. Zwei Kapelle auf einer Bühne mit zwei Dirigenten, das muss klanglich erst einmal zusammenwachsen. Aber es ist ein gangbarer Weg, wenn so viel guter Wille zur Gemeinsamkeit besteht, wie ihn die Musikkapelle Illerberg/Thal und die Musikvereinigung Tiefenbach an den Tag legten. Das lobte auch Bürgermeister Karl Janson als Vorsitzender des ASM-Musikbezirks Illertissen: „Musik heißt Brücken bauen.“ Doch bevor die große Bewährungsprobe anstand, zeigte die Jugendkapelle Illerberg-Wullenstetten mit Kathrin Brechtel als Dirigentin, was die Jugend zu bieten hat. Mit „The Big B“ und „Nurock“ sowie einem Marsch spielte sich die junge Schar frisch und munter in die Herzen der Zuhörer. Das Projektorchester nahm sich optisch beeindruckend aus. Fast 50 Musiker füllten die Bühne. Doch zunächst gab es vom Tiefenbacher Orchesterleiter Vasyl Zakopets eine Lehrstunde im Einstimmen der Instrumente. Erst einzeln, dann auch noch unisono, eine Übung, die man mit erfahrenen Musikern nicht vor Publikum absolvieren sollte.

Flotte Abba-Hits

Mit der „Festival Fanfare“ von Franco Cesarini wurde das Programm stilgerecht eröffnet, gefolgt von flotten Abba-Hits, arrangiert von Ron Sebregts. „Flashing Winds“ von Jan van der Roost, eine Originalkomposition, lebt von markanten Fortschlägen, gegenläufigen Rhythmen und raschen Tempiwechseln. Im Kontrast dazu stand „Ballad for Benny“ von Philip Sparke. Andachtsvolle Musik gepaart mit zartem Glockenspiel waren eine Hommage an Sparkes Sohn Benjamin, wie Gregor Kuhn, der versiert durch das Programm führte, herausgefunden hatte. Unter präziser Leitung von Dirigent Zakopets erklang die temporeiche Melange jüdischer Lieder mit dem Titel „A Klezmer Karnival“, mit einem reizvollen Mittelteil, dunklem Tremolo und kurz angerissenen Akkorden, die zum Schluss in einem dynamischen Accelerando enden.

Klangreiche Einheit der Orchester

Nach der Pause stand Joachim Plocica von der Musikkapelle Illerberg/thal am Pult, dessen vieljährige Erfahrung sich rasch bemerkbar machte. Die beiden Orchester fanden schnell zur klanglichen Einheit. „Millenium“ von Otto M. Schwarz, eine Komposition mit teilweise sinfonischen Zügen, fein nuanciert zwischen lyrischen Melos und pointierter Rhythmik, eröffnete den zweiten Teil. Franz von Suppés Ouvertüre zur Komischen Opfer „Leichte Kavallerie“ ist geprägt durch das bekannte Trompetensignal, durch wehmutsvolle Klänge, vor allem aber mit temporeichen Sequenzen. Die beiden Orchester musizierten mit offenkundiger Freude. Die Presto-Passagen, bei denen die Holzregister den Part der Streicher übernehmen, verraten Lebensfreude, aber auch den Probeneifer, mit dem gerade diese musikalischen Hürden erarbeitet wurden. Nicht weniger anspruchsvoll ist Julius Fuciks „Marinarella“. Ein federleichter Mittelteil ist Bestandteil einer Mischung aus Spannung, „operesken“ Elementen (Fucik muss Verdi geliebt haben) und einer Dynamik, die in einem machtvollen finale einmündet. Fucik hat alles an Klang hineingepackt, was Wirkung verspricht. Gefühlvoll mit Herz und Schmerz interpretierten die Musiker das bekannte Vilja-Lied von Franz Lehár. Spritzig wirkte „Eloise“ von Paul Ryan, bearbeitet von Philip Sparke. Zum Schluss – von den Zugaben mal abgesehen – wird’s feierlich: „Highland Cathedral“, die heimliche Nationalhymne der Schotten, arrangiert von Korb/Roever, löst Gänsehaut pur aus. Und Joachim Plocica dirigiert mit einer Intensität als wäre es für ihn ein Abschied. Er geht sichtlich bewegt vom Podium, begleitet vom begeisterten Applaus der zahlreichen Zuhörer. Doch der Beifall gilt letztendlich beiden Dirigenten und den Musikern. Sie alle haben sich erfolgreich auf ein Wagnis eingelassen. Man darf auf die Fortsetzung gespannt sein. 

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Das Projektorchester, das sich aus der Musikkapelle Illerberg/Thal und der Musikvereinigung Tiefenbach zusammensetzte, überzeugte beim ersten gemeinsamen Auftritt.                                                                       Bild: ub  
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Beim Gemeinschaftskonzert der Tiefenbacher Musikvereinigung mit der Musikkapelle Illerberg/Thal gab es eine Reihe von Ehrungen. Werner Prem wurde für 45-jähriges Wirken zum Ehrenmitglied der Tiefenbacher Musiker ernannt. Jürgen Rück erhielt eine Auszeichnung für 25-jährige Treue. Im Bild von links: Vorsitzender Hubert Böck, Tiefenbach, ASM-Bezirksvorsitzender Karl Janson, Werner Prem, Jürgen Rück und weiter Vorsitzender Rafael Sedlak, Tiefenbach.                                                                                                                            Text/Bild: Ursula K. Balken